Vortrag zum italienischen Futurismus

Do 14.11.2024 – 19:00 Uhr ACC Galerie Weimar (Burgplatz 1+2)

Avantgarde in der Kunst und politische Emanzipation werden oft zusammengedacht – doch gerade der italienische Futurismus, der am Beginn der europäischen Avantgarde-Bewegungen steht, wartet mit eine Reihe von Widersprüchlichkeiten auf: zentrale Künstler*innen unterstützten aktiv Mussolini und den italienischen Faschismus, verfassten mysogyne Manifeste und stellten eine betont anti-institutionelle Geste zur Schau, die im Widerspruch zur Bedeutung des Futuristmus für die Kunstgeschichte der Moderne zu stehen scheint. Der Futurismus umspannte alle Künste, startete als Modernisierungsprojekt und betrat in vielerlei Hinsicht ästhetisches Neuland.

In diesem Vortrag widme ich mich der Frage, wie Klangkunst und futuristisches Theater ins Feld dieser Widersprüchlichkeiten verwickelt waren – beide Anknüpfungspunkte für Performance und Sound Art im 20. und 21. Jahrhundert.

Anhand von Klangbeispielen, Bildern und dokumentarischen Berichten soll nachvollziehbar werden, welche ästhetischen Entdeckungen die Futurist*innen machten und wie sie unter anderem die Kunst des Skandals nutzten, um das Publikum in selten erlebter Weise zu erreichen – und womöglich dadurch anfällig wurden für Selbstüberhöhung und faschistische Unternehmungen. Wie können wir heute mit den Widersprüchlichkeiten dieser avantgardistischen Strömung umgehen? Lassen sich anhand der historischen Erfahrungen Kennzeichen entwickeln, um den Gradmesser einer emanzipativen Ausrichtung der Kunst zu schärfen?

https://spektakel.org/den-mondschein-toten